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Winterplätze der Räuber Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uli Beyer   

„Wir könnten doch mal wieder zusammen angeln gehen!“ sagte ich Heinz, als wir uns im letzten Dezember nach langer Zeit mal wieder getroffen hatten. Heinz erwiderte: „Nö, ich habe meine ganzen Klamotten gerade winterfest gemacht! In der kalten Jahreszeit geht doch nichts…“ Ich ließ es damit auf sich beruhen, denn als Winterangler braucht man starke Nerven und Ausdauer. Überredete Angler werfen viel zu schnell die Flinte ins Korn und sind zum Scheitern verurteilt. Verkneifen konnte ich mir nach dem Angeltörn aber nicht, Heinz vom verpassten Angeltag zu berichten: „Wir haben am Nachmittag in 2 Stunden 4 schöne Hechte und 1 dicken Zander gefangen!“

 

Im Winter ändert sich was

Mit dem Einzug des Winters stellen sehr viele Angler den Raubfischfang ein, obwohl dies mit die beste Fangzeit des Jahres für besonders kapitale Exemplare ist. In vielen Gewässern werden mit großer Regelmäßigkeit sehr kapitale Räuber in den kalten Wintermonaten gefangen, wogegen solche Fänge im Sommer fast unmöglich erscheinen. Angler, die mit gleichen Strategien an die gleichen Stellen wie im Sommer losziehen, sind in der Regel nicht erfolgreich. Nicht nur für uns, sondern auch für die Räuber wird es ungemütlich.

Eiszeit bedeutet häufig auch Fangzeit!

Die Temperaturen gehen stark zurück, im Extremfall bildet sich sogar Eis.

An 50+ - ein winterliches Barschmonster!

Besonders gut für uns Raubfischangler: Die Futterfische verschwinden oder sammeln sich sehr konzentriert in eng begrenzten Gewässerteilen. Diese Sammelstellen müssen wir als Angler finden und intensiv beangeln! Das kann in kürzester Zeit exzellente Fangergebnisse bringen. Der Grund für Futterfisch- und Raubfischversammlungen kann wärmeres oder auch Sauerstoff-reicheres Wasser sein. Versucht als Angler zu verstehen, nach welchen Kriterien die Raubfische in Eurem Wasser neue Aufenthaltsorte aufsuchen. Wer die Ansammlungen der Fische findet, hat eigentlich schon halb gefangen! Viele Räuber gelangen durch die Abwanderung in tiefes Wasser oder Eisbildung in sehr dunkle Gewässerbereiche und häufig spielt dann auch der Sauerstoffgehalt im Wasser eine große Rolle. Fast immer konzentrieren sich viele Fische auf sehr engem Raum. Auch die Fressphasen der Raubfische werden häufig sehr kurz und die Nahrungsaufnahme kann deutlich selektiver erfolgen, als im Sommer.

Eine große Chance für Angler

Toller Winterfang

Spontan könnte man meinen, dass Winterräuber deshalb sehr schwer zu fangen sind. Ich habe jedoch an vielen Gewässern die Erfahrung gemacht, dass man besonders im Winter den kapitalen Räubern deutlich besser als zu anderen Zeiten im Jahr auf die Schuppen rücken kann. Zwar nimmt der Räuber jetzt durch den reduzierten Stoffwechsel bedingt weniger Nahrung auf, aber auch das natürliche Futterangebot im Gewässer reduziert sich erheblich. Wegen der verkürzten Tagesphase (Sonnenscheindauer) liegen auch die Beißzeiten der Räuber wesentlich dichter zusammen als im Sommer. In der Regel rücken alle Fische in „Komfortzonen“ deutlich dichter zusammen. Bootsangler kennen das: Etliche Gewässerbereiche sind fischleer, andere sind "schwarz vor Fisch". Dort, wo die besten Sauerstoffwerte und höchsten Temperaturen herrschen, sind jetzt auch die meisten Fische zu finden. Und diese Sammelplätze müssen wir auch als Angler finden! Zu keiner Zeit sonst im Jahr stehen die Fische so dicht gedrängt beieinander, wie im Winter. Sehr erfreulich finde ich, dass meist die Beißzeiten der Räuber an ihren Fressplätzen wesentlich ausgeprägter sind und somit die Räuber besser auszurechnen sind. Auch bekommt man in den Fressphasen häufig besonders starke Bisse. Im Sommer wird viel regelmäßiger über viele Stunden des Tages die Nahrung aufgenommen. Wer im Winter die Fressplätze zur richtigen Zeit beangelt, kann besonders effektiv den Kapitalen nachstellen…